Über akut fehlende Body Positivity – Bestandsaufnahme


Wie Ihr sicher bemerkt habt, ist es in letzter Zeit ziemlich ruhig geworden auf meinem Blog. Aus diesem Grund wird es heute mal etwas persönlicher hier. Derzeit habe ich mich mal wieder mit einer Menge nagenden Gefühlen rumzuärgern. Ich hatte mich auch für die Curvy angemeldet und wäre eigentlich gerne hingegangen, aber ich hatte dann das Gefühl, dass es im Moment einfach nicht das Richtige für mich ist. Bei mir sind es im Moment wieder diese nervigen Selbstzweifel. Deshalb gibt es heute auch keine Bilder.

Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich mich hier so öffentlich dazu äußern sollte, aber vielleicht hilft es mir und anderen, einfach mal eine Diskussion dazu anzustoßen.

Wo liegt eigentlich mein Problem?

Es gibt so Tage, an denen ich mir sehr genau Gedanken darüber mache, was ich meinem Körper im Endeffekt antue. Ich bin 35 und schleppe seit 15 Jahren so viel mit mir rum, dass es einfach auch gesundheitlich bedenklich geworden ist. Fersensporn, Kurzatmigkeit beim Treppensteigen, die Schwitzerei im Sommer und geschwollene Füße im Büro – ich fühle mich rein körperlich echt nicht wohl im Moment. Ich habe auch leider etwas zugenommen, seit ich mich nach dem Studium weniger bewege. Damit kamen die obigen Beschwerden. Rein mental bin ich inzwischen an sich durchaus selbstbewusster und fühle mich wohler mit mir. Durch das Körperliche zieht es mich nur leider auch hier runter. Ihr seht: auch ich, die ich mich hier immer wieder freiwillig und gerne öffentlich zeige, habe leider solchen Phasen, an denen ich down bin. Ich sage das deshalb so deutlich, weil ich beim Betrachten anderer Blogs oft das Gefühl habe, ich bin eine der wenigen bin, deren Leben nicht eine einzige rosa Plus Size Wolke ist. 😉

Und was bedeutet das im Alltag?

Aber nun konkreter zu meinen Problemen: Hey, ich will einen Badeanzug kaufen und ins Schwimmbad gehen…. Da kommt dann aber immer wieder dieses fiese kleine „sobald“ in die Quere…sobald ich abgenommen habe, eins gefunden habe, wo nur dicke Frauen unterwegs sind, was näher ist oder oder oder. Ich verschiebe. Immernoch. Und in meinem Alter habe ich das Gefühl, dass ich inzwischen mehr mein halbes Leben lang verschoben habe. Und wenn es mir gerade nicht so gut geht, ist jede Kleinigkeit Öl ins Feuer:
Wenn die Frau in der Plus Size Abteilung bei Sinn&Leffers mir empfiehlt, auf jeden Fall eine Jacke zu wählen, die meinen Hintern bedeckt, weil das so auf KEINEN FALL geht. Wenn ich mich frage, welchen Eindruck das jetzt macht, wenn ich einen Burger oder eine Pizza in der Öffentlichkeit esse, wenn mir Bauarbeiter und andere Granaten Beleidigungen hinterher brüllen und mich das tagelang beschäftigt. Dann weiß ich, mein Gedankenkarussell ist wieder angesprungen. Ich stecke fest in meinem persönlichen Teufelskreis aus Unwohlsein, Diätgedanken und Widerstand. Mit einer unbändigen Kraft in mir lehne ich gleichzeitig alles ab, was andere (Gesellschaft, Familie) in dieser Beziehung (vermeintlich) von mir erwarten. Ich will nicht IHNEN entsprechen, nicht nach dem Regeln anderer leben und das sehe ich an sich als positive Eigenschaft. Nur leider geht mit diesem Widerstand sinnlose Sturheit und Selbstzerstörung einher. Ich schade mir vor allem selbst.

Liebevoller Umgang mit mir: kriege ich das hin?

Versteht mich nicht falsch, ich bin absolut Anhängerin von Fat Acceptance und Body Positivity, zu sich selbst stehen und den Blick der Gesellschaft auf Dicksein zu verändern. Aber ICH habe einfach mit einem tieferen Problem zu kämpfen. Mein Wunsch: gesund sein, halbwegs fit sein und mich nicht in allen Aktivitäten ausgeschlossen fühlen müssen, die irgendwas mit körperlicher Anstrengung zu tun haben. Und ich möchte schlussendlich Stabilität in meinem Selbstbild erreichen. Mich aus mir selbst heraus bestätigen können, wenn es mir mal nicht gut geht. Ich freue mich natürlich über alle lieben Worte, die ich immer wieder bekomme – von Euch oder meinem direkten Umfeld, ganz besonders meinem Mann. Aber das kann nur ein Bonus sein, ich möchte das auch für mich selbst können. Darum geht es jetzt. Die Zweifel werden immer wieder kommen, aber ich möchte ihnen gelassen entgegen treten. Und wenn eine Verkäuferin mir sagt, ich sollte keine kurzen Jacken tragen, dann möchte ich ihr mit Überzeugung sagen können, dass ICH meinen Hintern mag. Bis zu dem Zeitpunkt dachte ich auch immer, mein Bauch wäre hier das „Problem“. ;-D

Und woher nun ein positives Körpergefühl? – Achtsamkeit!

Also, warum eigentlich der Song: er ist Sinnbild für mein momentanes Körpergefühl: Eingesperrt in diesen Körper, den ich einfach nie zu beherrschen vermochte – auch meine Haut, meine Haare, mein inzwischen für MICH gesundheitlich bedenklicher Umfang – ein ewiger Beautykampf gegen mich. Das heißt, ich versuche eben gegen Makel anzugehen, nervige Haare, unregelmäßigen Teint und und und. Im Moment ist das alles nur Stress, einfach weil ich mich so negativ sehe. Dabei sollte ich es so empfinden, dass ich eben etwas FÜR mich mache, mich damit selbst belohne und würdige. Von der Haarentfernung über den Friseurbesuch bis eben auch hin zu ausgewogener, vernünftiger Ernährung, bei der ich mir nicht entweder etwas verbiete oder erlaube. Und etwas mehr Bewegung. Eben einfach ein bewusster, entspannter Umgang mit, in einem Maß, wie ich mich damit wohlfühle. Stattdessen malträtiere ich mich. Aber ich arbeite daran, es ist nur hin und wieder ein verdammt harter Kampf, der aktuell tobt.

In dem Moment, da ich diesen Post veröffentliche, geht es mir sogar schon wieder bergauf. Es hat wirklich lange und viel Mut gekostet, das zu teilen. Vielleicht befreit es mich und vielleicht kennt Ihr auch solche Gefühle und Gedanken, die Ihr mit mir teilen wollt.

Bye bye

Katrin

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5 Comments

  1. Hallo du Liebe – ich bin gerade sehr berührt, denn ich finde mich absolut wieder in deinem Text. Ich frage mich auch bei aller Fat acceptance oder body positivity, wie man das wuchten soll, wenn der eigene Körper unter seinem Gewicht an seine Grenzen geht. Wie soll man sich selber toll finden, wenn man keine 10 Minuten Schlendern ohne Pause übersteht, wenn man auf dem Weg in die Wohnung vor der letzten Treppe keuchend kapituliert, wenn die Beine geschwollen sind und man sich einfach nur noch krank und immobil fühlt? Das war so bei mir vor dem 19.06. und 15 verlorenen Kilos. Jetzt bin ich immer noch dick genug, fühle mich aber wieder wohl in meinem Körper und stehe vor dem Dilemma, einerseits die Body Positivity durchaus zu begrüssen – und trotzdem für meine Gesundheit weiter weniger zu werden. Da legt das eine dem anderen eine Stein in den Weg. Auf der anderen Seite steht da der angefutterte Diabetes, der mich zur Abnahme zwingt, wenn ich meinem Körper auf lange Sicht etwas Gutes tun will. Was ich mit dieser langen Ausführung sagen will: du bist nicht allein auf deiner Wolke. Deine Gedanken sind nachvollziehbar und ich glaube, an so schwitzig heissen Tagen erst recht.
    Deswegen ist es so wichtig, achtsam zu sein. Das ist genau der Weg, den du da gegen Ende schon aufzeigst. Ernährung umstellen, nicht diäten (wobei Diät im Ursprung nichts anderes heisst als gesunde Lebensführung, nicht abnehmen um jeden Preis 😉 ), für die Bewegung hilft mir ein kleiner Fitnesstracker, der Schritte, verbrannte Kalorien, Etagen und so was aufzeichnet. So bekommt man einen Überblick darüber, was man eigentlich so macht, den ganzen Tag. Oder eben auch nicht. Hauptsache ist doch, dass du dich wieder wohl fühlst in dir. Wenn das gegeben ist, dann hast du es auch leichter, solchen Damen wie der beschriebenen Nulpe, die Stirn zu bieten.
    Katrin, du bist auf einem guten Weg. Und wenn wieder alles stimmt, dann klappt es auch mit der Selbstliebe. Und hey – wir alle haben solche Aussetzer, was diese dumme Selbstliebe betrifft. Das ist ein kapriziöses Ding, das sich gerne mal versteckt. Wir müssen sie dann wieder mit Geduld hervorlocken – Aber das – das schaffst du. Sicher!
    Liebe Grüße
    Gabi

    • Katrinski

      Vielen Dank für deine Worte und dass du mich und uns hier teilhaben lässt. Früher war ich dick und fit dabei…da sah eben alles noch anders aus. Diabetes ist echt eine Diagnose, die man niemandem wünscht…super, dass du das so gut in den Griff bekommst!

  2. Ach Maus, bei vielem kann ich nur da sitzen und heftigst nicken. Denn es geht mir bei vielem ähnlich und ich denke dann auch oft: Du bist 35,kannst aber z. B. Freizeitpark die Hälfte der Fahrgeschäfte nicht fahren, einfach weil ich zu breit bin…Bikini hab ich seit diesem Jahr. Im Schrank! Aber wo mich ein Badeanzug schon soviel Überwindung kostet an manchen Tagen,war der Einkauf des Bikinis eher unklug…
    Und dann das Verschieben, das kenne ich auch, dass ich oft denke,das machst du dann bald mal. Und so gern ich das Dicksten mittlerweile versuche positiv zu vertreten, aber dennoch denk ich manchmal mit Angst daran,bloß nicht noch mehr zunehmen zu wollen.
    Du siehst, du bist nicht alleine

    • Katrinski

      Ich danke dir für deine lieben Worte. Ich bin echt erstaunt, wievielen von Euch es ähnlich geht, auch auf Facebook haben sich so viele liebe Mädels dazu geäußert. Wir sollten uns echt einfach gegenseitig stärken darin, uns selbst wertzuschätzen. 🙂

  3. MaJo0102

    Dachte gerade: genau so ist es…bin da so bei Dir. ABER….ich glaube das eine (positives Körpergefühl und Unabhängigkeit von der Meinung anderer) schliesst das andere (gesündere Lebensweise, evtl. sogar (ich sag das böse Wort jetzt) Abnahme) nicht aus. DENN: keiner von uns, wird JEMALS den Körper haben, den wir uns wünschen oder von den Medien als das Ziel aller Ziele verkauft bekommen. Und das weiß ich so genau, weil ich auch schon dünner war, mit Größe 42 dachte ich, alles gut, jetzt passt es, wunderbar und schön. PUSTEKUCHEN! Ich ärgerte mich über jeden Pickel, jedes kleinere Pölsterchen und, und, und, und,und…. I Ich glaube (bzw. entwickle ich gerade den Gedanken), dass man beides vereinen kann und muss; ein positves Körpergefühl inkl. des Gedankens „ich mach das einfach jetzt so, egal was andere sagen“ und das Bewusstsein, dass ich auch trotzdem abnehmen und gesünder leben muss, insbesondere weil ich durch eine Operation im letzten Jahr eigentlich genau das erfahren habe. Es ist absolut gut und positiv zu sich, seinem Körper und seinen Macken zu stehen und sollte das auch, ABER….nichtsdestotrotz ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass man auch etwas für sich und seinen Körper machen muss / ihn schützen muss. Dieser Gedanke hat sich durch edie Ambivalenz entwickelt, dass ich in Foren für Low Carb angemeldet bin und GLEICHZEITIG in einer Plus – Size – Fashiongruppe. Ich dachte die ganze Zeit….geht das? Ja, es geht. Denn ich will mich nett kleiden, egal in welcher Größe, aber dennoch hören, wenn mein Körper sagt: bis hierhin und nicht weiter. Das hat er schreiend im letzten Jahr gesagt und ich höre auf ihn…alles klar, Du bekommst Deinen Sport, gesündere Ernährung und auch Abnahme. Und ich glaube tatsächlich, dass das auch ein Teil dieser Bewegung ist, be positiv about your Body, but listen carefully…
    Ich habe jetzt knapp 16kg abgenommen, bin immer noch dick und weiß auch, dass das noch ein Weg ist, aber ich nehme die gesunden Ernährungstipps und die tollen Klamottentipps und versuche es in eine positive Anschauung mit selbst gegenüber zu integrieren…..und ich glaub das klappt ganz gut.
    Dir alles, alles Gute und…toller Blog!! MaJo

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